Den ganzen Tag hat es heute heftig geregnet. Auch jetzt am Abend prasseln dicke Tropfen auf unseren Bus, während zum Teil recht kräftige Windböen an ihm rütteln und uns so das Gefühl geben, wir befänden uns im Inneren eines Bootes. Ein paar Meter entfernt rauscht ein Wildbach vorbei. Unmengen von Wasser aus der Hochebene auf ihrem Weg in den nahegelegenen Fjord … Wir haben es uns im Bus gemütlich gemacht. Vorhänge vor den Fenstern, die nackten Füße in wärmenden Schlafsäcken, in den Händen eine Tasse heißen Tees. Aus den Lautsprechern von Marias iPad klingt sanft Eddie Vedders unverwechselbare Stimme: “Wind in my hair, I feel part of everywhere, underneath my beeing is a road that disappeared, late at night I hear the trees they`re singing with the dead, overhead …“ Ich bin glücklich.
Øvre Eidfjord, Norwegen, 10. August 2018
Liebes Internettagebuch,
Als ich noch ein Kind war hatten wir einen Wohnwagen. Ich kann mich noch gut an ihn erinnern. Ein weißer Caravan der Marke Knaus, Modell Südwind, mit mehreren gelben und grauen Streifen auf der Seite und dem Symbol zweier weißer Vögel hinten links, schräg über der Heckscheibe. Innen gab es ein Bett, ein winziges Bad, eine kleine Kochnische mit Herdplatten, einen Kühl- und einen Kleiderschrank, sowie einige weitere Kästchen und Staufächer und vorne befand sich eine gemütliche Sitzecke mit Tisch, die sich jeden Abend nach ein paar wenigen Handgriffen in ein weiteres Nachtlager für meinen Bruder und mich verwandelte. Das also war unser mobiles Zuhause für die Ferienzeit. Mehrere Wochen im Jahr reisten wir damit durch Europa. Meist kreuz und quer durch Italien. Aber auch nach Frankreich, Österreich, in die Schweiz, oder nach Ungarn. Ich liebte es mit meiner Familie in unserem “Wohni“ wegzufahren und ich liebte es zu campen.
Irgendwann, Ende der 90er Jahre, wurde diese Liebe jedoch auf die Probe gestellt und zerbrach schließlich endgültig. Mein pubertäres, 14-jähriges Ich verlor Stück für Stück die Begeisterung für lange Urlaube mit den Eltern und wollte schließlich die Ferien lieber zu Hause mit Freunden verbringen. Keine ganz ungewöhnliche Entwicklung vermutlich und doch ziemlich schade, jetzt wo ich so darüber nachdenke. Ein paar Jahre später jedenfalls – auch mein Bruder wollte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit in Urlaub fahren – verkauften meine Eltern den Wohnwagen und beendeten damit ebenfalls ihr langjähriges Camper-Dasein. Was mich angeht, so reduzierte sich das Reisefieber im Laufe meiner Teenagerjahre tatsächlich auf ein Minimum. Und obwohl ich in den letzten zehn bis 15 Jahren schon in regelmäßigen Abständen weggefahren bin, beschränkten sich meine Urlaube dabei meist auf Kurztrips in Städte, einwöchige Aufenthalte im nördlichen Italien (die meisten davon im Anschluss an Radtouren über die Alpen) oder verlängerte Wochenenden im Gebirge. Um ganz ehrlich zu sein: ich kann mich, bis auf eine zweiwöchige Alpe-Adria-Radtour im Frühjahr des letzten Jahres, nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal länger als zehn Tage verreist bin.
Natürlich war dies meine eigene Entscheidung gewesen, hatte ich ganz persönliche Gründe gehabt, die mich im Laufe der Jahre davon abhielten, länger wegzufahren oder gar weite Flugreisen zu anderen Kontinenten zu unternehmen. Dennoch war ein Teil von mir stets ein wenig enttäuscht und teilweise sogar ziemlich traurig darüber. Es war nicht immer leicht, den begeisterten Reiseberichten anderer zu lauschen oder sich durch hunderte Urlaubsfotos von Facebook-Freunden zu klicken, die sie an aufregenden Plätzen überall auf der Welt zeigten. Irgendwo in mir schlummerte eben doch ein kleiner Weltenbummler. Naja, sagen wir, zumindest der abenteuerlustige Campingfan aus Kindertagen, und ich gab die Hoffnung nicht auf, dass dieser irgendwann wieder den Mut finden würde, sich auf eine größere Reise zu begeben. Meine Solotour über den Brenner zum Gardasee, rüber nach Venedig und durch die Alpen zurück nach Hause war für mich ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewesen. Ermutigt und bestärkt durch die Erlebnisse im April des vergangenen Jahres, hatte ich beschlossen, heuer in jedem Fall mit Maria zusammen eine größere Urlaubsreise zu unternehmen. Unser Ziel: Skandinavien!
Vor drei Wochen war es dann soweit. Alles war vorbereitet, das Equipment zusammengestellt, der Bus wohl durchdacht gepackt und unsere Fahrräder auf dem Heckträger montiert. Endlich konnte es losgehen. Auf in den Norden!
Nachdem wir uns am Abend des ersten Fahrtages, quer durch das viel zu heiße Deutschland (37°), einen Campingplatz in der Lüneburger Heide gesucht hatten, überquerten wir bereits am zweiten Tag, irgendwo zwischen Hamburg und dem Nord-Ostsee-Kanal, eine imaginäre Grenzlinie. Weiter nördlich waren wir beide noch nie zuvor gewesen. Für mich in diesem Moment ein faszinierender Gedanke, der alles, was ab jetzt kam, gleich noch viel interessanter und aufregender erscheinen ließ.
Zunächst einmal kam Dänemark. Für sich allein genommen, zweifellos auch ein facettenreiches und faszinierendes Land und ohne Frage auch wert, dort einmal einen Urlaub zu verbringen. Für uns an diesem Tag allerdings lediglich Zwischenstation auf dem Weg nach Schweden. Auf der Autobahn ging es für uns schnurstracks in Richtung Öresundbrücke.
Schon immer haben mich Brücken fasziniert. Egal ob kleine, wenige Meter breite Stege aus Holz, die lediglich über einen Bach führen, architektonische Meisterwerke aus Stein, wie die Rialtobrücke in Venedig oder Betongiganten wie die Europabrücke wenige Kilometer unterhalb des Brenners. Brücken verbinden. Und im Falle der Öresundbrücke eben nicht nur zwei gegenüberliegende Flussufer, sondern tatsächlich zwei Staaten. Und das kilometerweit über eine Meerenge hinweg. Als wir wenig später auf dem höchsten Punkt dieses beeindruckenden Bauwerks, mit Xavier Rudds “Spirit Bird“ im Ohr, an dem blauen Schild mit der weißen Aufschrift “Sverige“ vorbeifuhren, stockte mir tatsächlich ein wenig der Atem. Dazu strahlender Sonnenschein, Möwengeschrei, ein wolkenloser blauer Himmel über und noch blaueres Wasser unter uns. Gänsehaut …
In den vergangenen Jahren war meine Vorstellung von Schweden vor allem durch Krimi-Romane bzw. deren Verfilmungen geprägt worden. Speziell ARD-Produktionen, basierend auf Henning Mankells Büchern über Kommissar Kurt Wallander, vermittelten dabei meist das Bild eines grauen, trüben Landes, in dem Wind, Regen und kühle Temperaturen dominierten. Als ich am dritten Tag unserer Reise bei 30 Grad vor der felsigen Halbinsel Kullen im kristallklaren Meer schwamm, musste ich selbst ein wenig darüber schmunzeln, wie sehr wir doch heutzutage medial aufbereitete Inhalte als Wahrheit ansehen. (Was hab´ ich gleich nochmal studiert? 😊 )
Entlang der Westküste arbeiteten wir uns im Lauf der nächsten Tage in Richtung der beiden großen Seen Vänern und Vättern vor. Wobei „arbeiten“ hier definitiv der falsche Begriff ist. Viel zu schön war die Fahrt durch den Südwesten dieses herrlichen Landes, viel zu stressfrei rollten wir in unserem Paolo (der Name unseres T5) durch den wunderbar unaufgeregten Straßenverkehr. Von den wunderschönen Plätzen, an denen wir übernachteten, ganz zu schweigen. Goldküste heißt der etwa 400 Kilometer lange Küstenstreifen zwischen Malmö und der Grenze zu Norwegen, der sich im Laufe des 20. Jahrhunderts als eines der Hauptferienziele der Schweden etabliert hat. Entsprechend touristisch geprägt und dicht besiedelt ist diese ansonsten so reizvolle Gegend. Auch aus diesem Grund dauerte es bis zum Abend unseres vierten Reisetages, ehe wir endlich vom berühmten „Allemansrätt“ Gebrauch machten. Was soll ich sagen: das Warten hatte sich gelohnt. Irgendwo in der weitaus dünner besiedelten Region Dalsland waren wir, als es Abend wurde, von der ohnehin verkehrsarmen Hauptstraße abgefahren, um wenig später auf einen Schotterweg abzubiegen. Ein paar Minuten danach schlugen wir auf einem Waldweg unser Nachtlager auf, kochten, aßen und beobachteten bei einer Partie Qwirkle zwei große Mähdrescher, die im beinah endlos scheinenden Sonnenuntergang bis 23:30 auf einem goldgelben Getreidefeld ihre Kreise zogen.
Auch die nächsten Tage verbrachten wir in der Region Dalsland, deren Landschaft geprägt ist von unzähligen Seen, schier unendlichen Wäldern und wunderschönen, dunkelrot gestrichenen Farmhäusern, die einen, inmitten riesiger Felder und Kuhweiden, alle paar Kilometer dann doch daran erinnern, dass hier ja auch noch Menschen wohnen. Eine mehrstündige Wanderung durch den Nationalpark Tresticklan, eine kostenlose Autofähre über den Stora Le, eine Übernachtung direkt am Ufer eines kleinen Sees, dessen Namen ich tatsächlich vergessen habe (er lag in der Nähe der Ortschaft Lund), sowie eine anspruchsvolle Mountainbike-Tour zum Gipfel des Gallberget (in der Nähe von Arvika) zusammen mit einem jungen Arzt aus Uppsala namens Mikael, waren nur ein paar der vielen Highlights, die wir erlebten, ehe wir am neunten Tag unserer Reise bei Charlottenberg die Grenze nach Norwegen passierten.
Unsere erste Nacht auf norwegischem Boden verbrachten wir im idyllischen Hafenstädtchen Drøbak am Oslofjord. Nachdem wir auf einem Felsen ein abendliches Picknick gemacht und dabei Jugendliche beobachtet hatten, die von einem fünf Meter hohen Turm ins Meer sprangen, übernachteten wir direkt am wenige hundert Meter entfernten Hafen (kostenlos). Kurz vor dem Zubettgehen hatte ich mich vor der malerischen Kulisse einer atemberaubenden Abenddämmerung zumindest noch auf das 3-Meter-Brett gewagt und mir fest vorgenommen, es am nächsten Morgen den norwegischen Jungs gleich zu tun und mich in die Fluten zu stürzen.
Mein ambitionierter Plan wurde jedoch von einem krassen Wetterumschwung zunichte gemacht, denn am darauffolgenden Tag wurden wir von dicken Regentropfen geweckt, die auf Paolos Dach trommelten. Auch die Temperaturen waren gleich mal um schlappe 15 Grad gefallen und so machten wir uns bei herbstlichen Verhältnissen auf in Richtung Hardangervidda, der größten Hochgebirgsebene Europas. Anstatt wie geplant am gleichnamigen Nationalpark für eine Wanderung stehen zu bleiben, verließen wir noch am selben Tag das unwirtliche Hochplateau und campierten stattdessen in Øvre Eidfjord. Als sich tags darauf das Wetter aber wieder von einer viel freundlicheren Seite zeigte, kehrten wir noch einmal zurück in die Hardangervidda. Wir sollten es nicht bereuen. Mit ihrer arktischen Tundra-Vegetation, auf einer Höhe von 1100 bis 1400 Metern gelegen, stellt sie ein faszinierendes Wandergebiet dar und auch wenn ich mir in den wenigen Stunden, die wir dort verbrachten, dank des teilweise doch sehr kalten Windes eine kleine Erkältung einfing, war ich heilfroh, dass wir noch einmal dorthin zurückgefahren waren.
In den nächsten Tagen bewegten wir uns dann deutlich weiter unten, etwa auf Höhe des Meeresspiegels, entlang des Hardangerfjords, der als einer der schönsten Fjorde Norwegens gilt. Zurecht, wie wir fanden, spiegelt er doch die Schönheit und Naturvielfalt des gesamten Landes wider. Während entlang der Küste verschiedene Obstbäume prächtig gedeihen, die Menschen baden, segeln, angeln und überhaupt sommerliche Temperaturen genießen, kann man keine 30 Autominuten entfernt auf dem südlichsten Gletscher des Landes auch während der Sommermonate Skifahren.
Auf unserer Fahrt in Richtung des Hardangerfjords hatten wir einen der populärsten Orte Norwegens (zumindest für Touristen) kurzerhand links liegen gelassen. Auf eine zehn- bis zwölfstündige Wanderung zur Trolltunga hatten Maria und ich nicht wirklich Lust gehabt. Am Abend dann gratulierte mir eine freundliche Kioskbetreiberin im kleinen Küstenörtchen Herand zu dieser Entscheidung. Sie selbst sei einmal, vor drei Jahren, auf der Trolltunga gewesen. Einmal und nie wieder, wie sie mir lachend erklärte. 500 norwegische Kronen Parkgebühr am Tag sowie eineinhalb Stunden Schlangestehen, um das berühmte Foto – vor zugegebenermaßen, atemberaubender Kulisse – machen zu können, waren nur zwei ihrer Argumente gegen diesen Touri-Hotspot. Stattdessen empfahl sie mir eine Wanderung zum nahegelegen Mount Samlen, die hin und zurück nur drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen und uns am Ende mit einem mindestens genauso tollen Blick über Berge und Fjord belohnen würde. „Forget Trolltunga“, grinste sie. „Samlen is better“. Sie sollte recht behalten.
Durch das Setesdal führte unsere Reise in den nächsten beiden Tagen hinunter zur Küste des Skagerrak, ehe wir zum Ende unserer Reise wieder nach Schweden zurückkehrten. Wir hatten gelesen, dass das Tal selbst mit grandioser Landschaft und bäuerlicher Ursprünglichkeit begeistert. Was ich nicht gedacht hätte war, dass auch zwischen Hardangerfjord und Setesdal, am südlichen Rand der Hardangervidda unzählige weitere Naturhighlights auf uns warten würden. Ungebändigte Wildbäche mit Stromschnellen und Schluchten, die mich an die nordamerikanische Kulisse des Westernfilms „Fluß ohne Widerkehr“ erinnerten, majestätische Felswände, Seen, von denen einer schöner und vor allem klarer war, als der andere, Wasserfälle, die zum Teil so nahe an der Straße lagen, dass die Gischt durch das geöffnete Autofenster hereinspritzte, und Hochgebirgsstraßen, die uns gleich eine ganze Reihe von original Herr-Der-Ringe-Panoramen boten. Ungelogen: Maria und ich brachten teilweise den Mund gar nicht mehr zu. Da weder Worte noch Fotos ausreichen, um all die faszinierenden Flecken Erde zu beschreiben, die wir während unsere Woche in Norwegen bestaunen durften, folgt hier einfach nur noch der Tipp, dieses Land selbst einmal zu besuchen. Wer schon dort gewesen ist, der weiß ja nur zu gut, wovon ich rede!
Ganz am Anfang des heutigen, sehr ausführlichen Eintrags, hab´ ich dir von meiner Campingleidenschaft aus Kindertagen erzählt, liebes Tagebuch. Was soll ich sagen? Ich habe sie wiederentdeckt. Und das Schönste daran: Maria teilt sie. Schon nach den ersten Übernachtungen im Bus, als wir uns noch südlich von Göteborg befanden, durfte ich feststellen, dass all die Facetten, die mir als Kind und uns als Familie vor mehr als zwanzig Jahren schon so viel Freunde bereitet hatten, sofort wieder spürbar waren. Die Einfachheit, die Spontanität, das Abenteuer, die Ungebundenheit, der Kontakt zu Gleichgesinnten. All das zusammen macht die Faszination eines Campingurlaubs aus. In Skandinavien wird das Ganze dann noch getoppt von der Freiheit, sich mit seinem Zelt/Auto einfach neben die Straße zu stellen und mitten in der Natur zu übernachten. Mehr Selbstbestimmung geht nicht.
Neben der spektakulären Landschaft und den vielen unvergesslichen Momenten, die sie uns während der vergangenen drei Wochen beschert hat, sind es vor allem die vielen – wenn auch meist recht kurzen – Begegnungen mit Menschen, die einen derartigen Urlaub kennzeichnen. Schon als wir noch Kinder waren, verriet mir kürzlich meine Mama, hat es auf Campingplätzen meist keine halbe Stunde gedauert, bis mein Bruder und ich neue Freunde gefunden hatten, mit denen wir dann begeistert Fahrrad fuhren, Krebse fingen oder im Meer schwammen. Auch in den vergangenen Wochen führte ich einige wunderbare Gespräche mit Leuten aus verschieden Ländern, die alle unsere Liebe zur Natur, zum Entdecken, zum Aktivsein und nicht zuletzt zum Campen teilten.
Janine und Daniel aus Innsbruck waren auf ihren Rädern von Belgien bis nach Göteborg gefahren. Ein weiteres nettes Paar aus Hamburg lernten wir ein paar Tage später in Bengtsfors kennen. Die beiden waren zum Kajaken nach Dalsland gekommen. Als wir am Rande des Tresticklan Nationalparks übernachteten, kam ich mit einem Pärchen aus Münster ins Gespräch, das gerade mit einem wirklich alten, gebrauchten Wohnmobil zu einer zwölfmonatigen Rundreise durch Europa gestartet war. Janne und Anna, die in die Jahre gekommenen Besitzer eines Campingplatzes kurz vor der norwegischen Grenze; eine vierköpfige holländische Familie auf einwöchiger Kanutour durch die Seenlandschaft Värmlands; Ole, ein 1,95 großer, gut gelaunter Bremer, der alleine in seinem Sprinter bis zum Nordkap gefahren war und jetzt seine Freundin in Oslo aufgabelte, um mit ihr noch eine Woche Urlaub in Norwegen zu machen; ein redseliger Duisburger, dem wir zusammen mit einem seeeeeehr entspannten Niederländer halfen, die kaputte Markise seines geliehenen Wohnmobils zu reparieren; Daniel, der vierzehnjährige Sohn der Kioskbesitzerin aus Herand, der mir in fließendem Englisch eine halbe Stunde lang die Gegend um seinen Heimatort näherbrachte; Ferdi, Kletterfan, Lehrer und aktuell Wahl-Istanbuler; oder die beiden jungen, schwedischen Downhillcracks, mit denen ich mich noch am Samstag im Bikepark Vallåsen wunderbar unterhalten, fachsimpeln und über die Eigenheiten der Norwegen austauschen konnte. Sie alle sorgten dafür, dass uns von diesem Urlaub eben nicht nur die atemberaubenden Landschaften Schwedens und Norwegens in Erinnerung bleiben werden.
Überhaupt sind es manchmal die kleinen Dinge, die eine Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Das kann ein verregneter Filmabend im Bus irgendwo im norwegischen Gebirge sein, eine Radfahrt zur Toilette entlang der felsigen Küste Bohusläns, bei der man sich zehn Minuten lang fühlt, wie Danny MacAskill höchstpersönlich, ein nettes Gespräch mit einem schwedischen Zollbeamten, um sich die Wartezeit bis zur Ankunft der Fähre zu vertreiben, das Durchqueren einer Kuhweide auf dem Weg zu einem Picknick am Strand, ein leckeres, selbstgekochtes Abendessen an einem kleinen, namenlosen See in Dalsland, unzählige Wortwitze über den Ortsnamen Geilo (Norwegen), Songs, die auch beim fünften Mal nacheinander Anhören noch unter die Haut gehen, eine erleichterte Sprachnachricht von einer lieben Freundin von zu Hause, ein Tellerkauf in einem Göteborger Secondhandladen, etc., … Diese Liste ließe sich ewig fortführen.
In den letzten Tagen unserer Reise, die uns erneut entlang der schwedischen Westküste zurück in Richtung Dänemark führten, versicherten Maria und ich uns mehrmals gegenseitig, dass wir in den kommenden Jahren wieder nach Skandinavien zurückkehren werden, um dort noch weitere Urlaube zu verbringen. Schließlich konnten wir in drei Wochen und trotz einer Strecke von fast 6000 Kilometern ja nur einen kleinen Teil dieser beiden Länder bereisen. Es bleibt also noch viel zu entdecken. Der Weltenbummler in mir freut sich schon jetzt wahnsinnig darauf, ein weiteres Mal die Öresundbrücke in Richtung Malmö zu überqueren. Vielleicht führt die nächste Reise Maria und mich aber auch erst einmal in eine ganz andere Richtung. Wer weiß das schon?
Dein Naturbua
Daten zur Tour: Streckenlänge: 5760 km Startpunkt/Endpunkt: Passau Highlights: unendlich viele!
Tipp des Tages: REISEN!!

Wow. Danke dafür – hab meine Mittagspause grad mit euch da im hohen Norden verbracht. Fast ein Kurzuralub sozusagen. Wunderschön! Sowohl Bericht als auch Bilder!
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Ui, vielen lieben Dank. Freut mich, wenn der Text beim Lesen so ein Gefühl auslöst. 🙂 war auch wirklich ne wunderbare Zeit dort oben
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