Liebes Internettagebuch,
Bevor ich gleich ausführlicher von meiner Wanderung ins Schachtengebiet des bayerischen Waldes (nördlich des Rachels) erzähle, muss ich zunächst mal einen grundsätzlichen Gedanken loswerden, der mir während des Ausflugs vor zwei Tagen immer wieder durch den Kopf ging. Es ist schon erstaunlich: da begegnet einem jahrelang immer wieder ein und derselbe Begriff. Man schnappt ihn in Gesprächen auf, liest ihn irgendwo, oder sieht ihn (wie in diesem speziellen Fall) auf Ortsschildern oder Wanderkarten. Man nimmt ihn dann wahr, fragt sich vielleicht sogar, was er eigentlich bedeutet, aber hat irgendwie nicht die Muse, bzw. das Bedürfnis, oder vielleicht auch ganz banal, gerade nicht die Zeit, um herauszufinden, was genau dahinter steckt. Schade eigentlich, gerade wenn einem der Begriff während eines Gesprächs unterkommt. Liegt vielleicht aber auch in der Tatsache begründet, dass man sich vor seinem Gegenüber nicht die Blöße geben möchte, zu sagen: „Was heißt das eigentlich? Ich weiß das nicht. Erklär mir das mal.“ Stattdessen denkt man nicht selten: „Kann ich ja später mal googeln“. Macht man dann nur nicht.
Achso ja, stimmt … Du fragst Dich natürlich längst, um welchen Begriff es mir jetzt hier, in diesem speziellen Fall, geht, oder hast es Dir wegen der Überschrift des heutigen Beitrages auch schon selbst erschließen können. Richtig. Es geht um den Begriff des „Schachten“. (ja, das ist der Singular.) Schachten (ja, in dem Fall ist es der Plural) sind vergleichbar mit den Almen in den Alpen. Es handelt sich um entlegene Weideflächen in Form baumfreier Wiesen im Bayerischen Wald, wobei der Name vor allem in der Gegend zwischen Falkenstein und Rachel Verwendung findet. Zusammen mit den sogenannten Filzen (Hochmoore oder Regenmoore, die ihr Wasser aus Niederschlägen beziehen und keinen Kontakt zum Grundwasser haben) bilden die Schachten mit ihrer besonderen Vegetation ein wirklich lohnendes Ziel für eine ausgiebige Wanderung, oder sogar eine Radtour (die einzelnen Schachten müssen dabei teilweise trotzdem zu Fuß erkundet werden. Nationalpark-Radwege führen meist in einigem Abstand daran vorbei.)
Von einer Erkundung mit dem Rad hab ich vor zwei Tagen natürlich witterungsbedingt abgesehen und bin zu Fuß zu einer fünf- bis sechsstündigen Tour aufgebrochen. Als Startpunkt dafür hatte ich den kleinen Ort Buchenau ausgewählt, den ich selbst erst wenige Tage zuvor, im Zuge eines Kurzurlaubs mit Maria, zum ersten Mal in meinem Leben besucht hatte. Am Wanderparkplatz angekommen, stellte sich für mich eigentlich nur eine Frage: Schneeschuhe mitnehmen oder nicht. Eine Frage, die ich, wie sich wenige Kilometer später herausstellte, für mich falsch beantwortet hatte. (Wollte die Schneeschuhe nicht am Ende umsonst kilometerweit hinten auf dem Rucksack mitgeschleppt haben und dachte es ginge bestimmt eh ganz gut ohne sie) Oberhalb der 1000 Meter-Grenze lag jedoch noch deutlich mehr Schnee, als ich es angenommen hatte. Größtenteils zwar fest und zusammengefroren, aber dennoch: das ständige Zurückrutschen und unvorhersehbare (wenn auch nicht allzu tiefe) Einsinken, machten die gut 20 Kilometer doch anstrengender als sie hätten sein müssen.
Ich nehme an, dass die Wanderung durch Schachten und Filze ohnehin von den meisten Menschen eher als (früh-)sommerliche Aktivität angesehen wird und aufgrund der Tatsache, dass dann die Vegetation der Wiesen, Moore und Sümpfe sicher einen ganz besonderen Reiz ausübt, mag es auch vernünftig sein, diese Tour speziell nach der Schneeschmelze anzugehen. Dennoch: ich habe die Entscheidung, sie am Ende dieses doch außergewöhnlich schneereichen Winters 2017/18 für mich zum ersten Mal in Angriff zu nehmen, nicht bereut. Trotz der dicken Schneedecke (ich würde mal gut einen halben Meter schätzen) hat die Beschaffenheit der Landschaft nördlich des Rachels etwas wirklich Faszinierendes an sich, von den Blicken zum Gipfel des höchsten Berges im Nationalpark sowie zum Arber (noch ein paar Meter höher) ganz zu schweigen. Der durchaus kräftige Wind und die Tatsache, dass ich während der fünfeinhalb Stunden keinem einzigen Menschen begegnet bin, machten die Tour zwar an der ein oder anderen Stelle etwas „unheimlich“, aber nicht weniger schön. Wie auch in vielen anderen Gebieten des Nationalparks zu dieser Jahreszeit ist es jedoch meiner Meinung nach ratsam, sich genau an den Wegmarkierungen zu orientieren, wenn man sich nicht plötzlich fernab des Weges, inmitten des tschechischen Nationalparkgebietes wiederfinden möchte.
Ist der Schnee in einigen Wochen ersteinmal verschwunden (ich denke, dass das in diesem Jahr bis weit in den Mai hinein dauern wird), wird es nicht nur weitaus leichter sein den Weg zu finden, auch werden die Schachten und Filze noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen. Ich freue mich unheimlich darauf, mir das alles mal in sattem Grün anzusehen, bereue aber keinen Meter meiner „Schachtenwanderungen mit Schnee“.
Dein Naturbua
Daten zur Tour: Streckenlänge: 21 km Anstieg: 653 hm Dauer: ca. 5 1/2 Stunden Startpunkt/Endpunkt: Buchenau Highlights: Hochschachten, Kohleschachten Zwieselter Filz, Lindbergschachten, Rachel- und Arberblicke Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwer
Tipp des Tages: Schneeschuhe! 🙂

Ja, die sehen echt cool aus im Schnee! Grün sind sie auch klasse, das kann ich bestätigen.
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Bin gespannt. Ich werde mir das sehr bald in Grün anschauen. Du kennst die Wanderung also?
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Ist schon lange her, aber ja, ich bin da schon mal gewandert.
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